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Der „kleine“ Nachtdienst – Pascals PJ-Erfahrungsblog

Auch wenn es nicht zu den verpflichtenden Dingen zählt, die man im PJ durchläuft, so erhält man in vielen Lehrkrankenhäusern die Möglichkeit auch an Nachtdiensten teilzunehmen.
Dieses Angebot, falls es nicht sowieso als fester Bestandteil eingeplant ist, sollte man wenn möglich zumindest einmal wahrnehmen, um den „Mikrokosmos Krankenhaus“ einmal von einer völlig anderen Seite kennenzulernen.

An der Klinik in der ich unterwegs war, sind 2 Nachtdienste obligat im Tertial der Chirurgie vorgesehen und das waren 2 Tage auf die ich mich wirklich sehr gefreut hatte. Zurecht wie sich herausstellen sollte: So erschien ich an einem der besagten Nachmittage gegen 15.15 Uhr zum sogenannten „Kleinen-Dienst“. Dieser Dienst wird „klein“ genannt, weil er eben nicht von 8 Uhr bis 8 Uhr am nächsten Morgen läuft, sondern „nur“ vom Nachmittag bis zum nächsten Morgen angesetzt ist.

Der Dienst beginnt mit der Nachmittagsbesprechung der Chirurgen, in der Befunde mit den Radiologen besprochen und die OPs für den nächsten Tagen noch einmal zusammengefasst werden. In größeren Kliniken sind meist mehrere Assistenzärzte zu den Diensten anwesend, an kleinen Häusern ist meist nur ein Arzt Dienstarzt und einer der Oberärzte hat Rufbereitschaft, wird also bei Bedarf ins Krankenhaus gerufen.

Für mich als PJler verliefen die Nachmittage meist ruhig. Ab und an gibt es noch eine Laborkontrolle abzunehmen oder aber es müssen noch venöse Zugänge gelegt werden. Im Gegensatz zu dem vergleichsweise stressigen Ablauf am Morgen, laufen die Arbeiten am Nachmittag fast schon in maximal entspannter Atmosphäre ab. An einem der Dienste ging es dann ab 19 Uhr richtig los, eine Hemihepatektomie vom frühen Nachmittag verkomplizierte sich zusehends und der Assistenzarzt, welcher schon seit 5 Stunden im OP stand, musste ausgelöst werden. Gesagt getan und ab in den OP. Während diese OP dem Ende zuging, kündigten sich bereits zwei weitere Operationen an. Gleich zweimal gab es auf den Stationen den Verdacht einer Darmperforation, also einer Diagnose welche einer sofortigen operativen Therapie bedarf. So blieb nicht viel Zeit zum gemütlichen umherstreifen zwischen Kaffeemaschine und Schokoriegel, sondern alle tranken kurz etwas und weiter ging der Spaß. Darmoperationen haben oft die dumme Angewohnheit sich sehr in die Länge zu ziehen und so war es gegen 4.45 Uhr morgens als ich übermüdet, aber zufrieden Richtung Dienstzimmer schlich.

Die fast schon unnatürliche Ruhe, welche nachts in einem Krankenhaus herrschen kann, fasziniert mich immer wieder aufs Neue und so ließ ich mir Zeit auf dem Weg ins Bett und drehte noch die ein oder andere Runde durch die verwinkelten Gänge eines Gebäudes, in dem tagsüber das Wort Hektik fast schon an eine Untertreibung reicht.

Aufregend war es, und mehr als tagsüber hatte ich das Gefühl etwas geschafft zu haben.

Pascal