X

Die fünf Phasen der Prüfungsphase

Mal wieder sitzt man am zu Hause am Schreibtisch oder in der Bib und fragt sich „wo ist das Semester eigentlich hin?!“.

Die guten Vorsätze für 2016 sind, wie die letzten Jahre auch, auf der Strecke geblieben und jetzt ist meine Lernmotivation auch noch losgezogen und will sie suchen oder was auch immer meine Motivation macht. Ich sitze jedenfalls ganz alleine und betrübt vor meinem regenbogenbunt markierten Renz-Polster und ärgere mich. Ärgere mich, dass ich mal wieder in fast keiner Vorlesung gewesen bin, keine Notizen aus den Seminaren habe (weil ich mir ja „so Kleinigkeiten“ einfach merken kann-oder auch nicht) und überhaupt bei der Vorbereitungszeit für die Prüfungen sehr sparsam gewesen bin. Und gleichzeitig bin ich, völlig zu unrecht, sauer auf alle, die ihr Leben im Griff und früh genug mit dem Lernen angefangen haben. Das ist dann ja wohl Phase 2: Ärger und Zorn.

Aber wo war Phase 1: Nicht-wahr-haben-wollen?

Die lief seit Tag 1 des Semesters. Ihr kennt sie alle die abgedroschenen Phrasen mit denen man seiner Faulheit und Feierei Absolution erteilt:

„Ich muss mich ja erstmal vom Physikum erholen“… nur leider ist das auch schon zwei Jahre her

„Soziale Kompetenz lernt man nicht im Hörsaal, da musste ich ja raus!“…. aber zuhause beim Netflix schauen wird das auch nicht besser

Oder „Prüfungen kann man wiederholen, Partys nicht.“ …. naja aber vor dem vierten Bier musst du auch keinen Härtefall beim Barkeeper einreichen.

Sobald der Ärger etwas verflogen ist fängt man an zu verhandeln. Phase 3.

Es werden Lösungen für Altklausuren zusammengesucht, Skripte und Aufschriebe von den oben genannten Kommilitonen, die ihr Leben im Griff haben, erbettelt, man sitzt in den letzten Vorlesungen vor den Prüfungen um noch einen Tipp des Dozenten für die Klausur abzustauben und leiht in der Bib eine ganze Ikea-Tasche voll mit Kurzlehrbüchern aus. Zu guter Letzt verhandelt man mit sich selbst über völlig unschaffbare Lernpläne mit denen man doch noch irgendwie alles wenigstens mal gelesen hätte.

Das ganze hält dann aber irgendwie auch nicht so lange und man rutscht weiter in Phase 4: Die depressive Phase

Man weint sich bei allen aus: Mitbewohnern, Familie, Freund/Freundin, den Nachbarn die aus Höflichkeit gefragt haben, wie es denn gehe und jedem anderen Mensch, der nicht schnell genug vor einem flüchten kann. Solange bis man von seiner eigenen Armseligkeit irgendwie auch genug hat und dann einfach mal Stück für Stück anfängt das Ganze hinter sich zu bringen.

Willkommen in Phase 5: Akzeptanz

Es hat die letzten Semester geklappt und das wird es jetzt auch und wenn es rum ist, können wir wieder anfangen die nächste Prüfungsphase zu verleugnen!

Viel Erfolg bei allem was noch vor Euch liegt. Wir schaffen das schon…irgendwie!

Euer Friedemann