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Ein langer Weg zum Dr. med?

Endlich Arzt und auch noch Doktor? Ist es wirklich notwendig, sich auf den steinigen, zeitweise quälenden und lästigen Weg einer medizinischen Doktorarbeit zu begeben?

Die Antwort ist: Nein! Wirklich ein klares Nein? Naja, für das Ansehen bei einigen Patienten ist das sicherlich von Vorteil und hübsch aussehen und klingen tun diese zwei Buchstaben vor dem Namen auch. Möchte man eine Karriere in der Forschung oder an einer Universitätsklinik antreten, wird der Titel manchmal sogar vorausgesetzt oder unausgesprochen erwartet. Um die Patienten bestmöglich zu behandeln, reicht es hingegen vollkommen aus, ein guter Arzt zu sein. Man muss dazu kein Doktor werden.

Und doch fangen viele Medizinstudenten eine Doktorarbeit an. Ungefähr die Hälfte soll sie angeblich bis zum Facharzt auch abgeschlossen haben. Meistens wird man also doch viel später als man sich das einmal ausgemalt hatte Dr. med.. Doch woran liegt das und wie kann man den Weg zum Dr. med beschleunigen?

Ich selbst habe eigentlich auch gedacht, dass ich meine Doktorarbeit bis zum Arbeitsbeginn fertig gestellt habe. Und was ist aus dem zielstrebigen und vielleicht auch ehrgeizigen Traum geworden? Nun ja, bisher noch nichts…und dabei fing es doch so gut an.

Bereits im dritten Semester – also noch vor dem Physikum – habe ich mit dem Thema Doktorarbeit auseinander gesetzt. Eigentlich war das gar nicht unbedingt meine Absicht. Ich habe mich schon sehr lange für psychiatrische Erkrankungen interessiert und wollte verstehen, wie es dazu kommt, dass sie Menschen so völlig verändern können. Deswegen habe ich den Direktor der Psychiatrie meiner Uniklinik bei einer Veranstaltung ganz naiv gefragt, woran seine Klinik eigentlich forscht. Er hat sich kurz mit mir unterhalten und sich meine E-Mail-Adresse notiert.

Ein paar Tage später bekam ich eine E-Mail von meinem jetzigen Doktorvater. Er habe erfahren, dass ich mich für die psychiatrische Forschung interessiere und hätte ein Thema für meine Doktorarbeit. In der nächsten Woche sollte ich doch – bei Interesse – einmal vorbeikommen. Erst einmal war ich irritiert. Das war doch noch gar nicht meine Intention. Ich war drauf und dran, den Termin abzusagen. Doch dann dachte ich mir: Warum eigentlich nicht? Verlieren kann ich ja nichts. Ich besuchte ihn also und lernte gleich auch meine Betreuerin kennen. So fing ich schon vor dem Physikum mit meiner experimentellen Doktorarbeit an.

Die Menschen im Labor waren sehr nett und hilfsbereit und ich hatte – anders als im Biochemiepraktikum – das Gefühl, die Pipettiererei mache nun wirklich Sinn. Natürlich hat auch vieles nicht funktioniert. Manchmal war ich wirklich niedergeschlagen, wenn ein zweiwöchiger Versuch noch einmal wiederholt werden musste. Wenn ich Abend um Abend und Wochenende für Wochenende im Labor verbrachte, während meine Kommilitonen Cocktails tranken und Tatort schauten. Dennoch hat sich diese Arbeit gelohnt. Schon im siebten oder achten Semester hatte ich meine Versuche abgeschlossen. Ich konnte sie auf verschiedenen Kongressen präsentieren und durfte sie sogar auf dem größten Kongress in meinem Forschungsgebiet in Boston vorstellen.

Den Methodenteil hatte ich bereits verfasst, als mein Doktorvater mich fragte, ob ich eine Veröffentlichung über meine Ergebnisse schreiben könnte. Dieser Vorschlag gefiel mir sehr. Ich würde sogar Erstautorin werden. Allerdings war es ganz schön mühsam, die wichtigsten Informationen möglichst kurz zusammenzufassen. Die Daten so schön aufzubereiten, dass ein Journal sie annehmen würde, und den englischen Forschungsschreibstil zu treffen. Nach etlichen Überarbeitungen war es endlich soweit und das Paper wurde eingereicht. Und…abgelehnt. Noch einmal überarbeiten und wieder warten und warten. Beim zweiten Journal hat es denn geklappt und nach über zwei Jahren waren meine Ergebnisse dann auch tatsächlich in press. Als ich sie dann zum ersten Mal sah, war ich sehr verwundert, was denn die ganzen Namen auf meiner Veröffentlichung zu suchen hatten. Einige davon kannte ich nicht einmal…Ich ließ mir sagen, das sei wohl so üblich.

Meine Arbeit hatte ich dann auch im zehnten Semester fertig geschrieben. Als ich sie nach über einem Jahr dann zurück erhielt, war ich mitten im PJ und hatte einfach keine Zeit für Korrekturen. Dann musste ich noch schnell umziehen und schon ging die Examenslernerei los. Als das überstanden war, hatte ich schon viele tolle Pläne für die Zeit nach dem Examen. Nur der Schreibtisch war auf keinen Fall mit eingeplant. Trotzdem konnte ich mich noch zu den letzten Korrekturen durchringen (das war bei mir zum Glück auch in zwei Tagen zu machen) und dann wollte ich die Arbeit eigentlich einreichen.

Aber um die Weihnachtszeit hatte meine Betreuerin natürlich andere Arbeiten zu erledigen als meine Dissertation. Als sie mir die Arbeit zurückgeschickt hat, war das Promotionsbüro leider für zwei Wochen wegen Weihnachtsferien geschlossen. Am ersten wieder geöffneten Tag, habe ich die Arbeit abgegeben. Und mir sagen lassen, dass ich mindestens mit einem halben Jahr Wartezeit rechnen müsste, bis der Termin für meine Verteidigung verabredet werden könnte. Also beginne ich, ohne ein Dr. vor dem Namen zu arbeiten. Auch nicht so schlimm. Aber trotzdem nicht mein Plan.

Eure Ricarda