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Erfahrungen und Tipps aus dem Krankenpflegepraktikum

Wie bereits in meinem Bericht „Voraussetzungen für das Krankenpflegepraktikum“ erwähnt, muss man vor dem ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung ein dreimonatiges Krankenpflegepraktikum absolvieren.

Die Meinungen über die Notwendigkeit und den Sinn des Pflegepraktikums weichen sehr stark auseinander, denn leider macht man während dieser Zeit nicht nur positive und lehrreiche, sondern auch viele eher unangenehme Erfahrungen. Im Prinzip bekommt man meistens eigentlich in jedem Krankenhaus auch sehr kurzfristig einen Platz, da man ja eine unentgeltliche zusätzliche Arbeitskraft darstellt.

Hier ein paar nützliche Tipps für Euer Pflegepraktikum:

  1. Falls man das Pflegepraktikum in einer Stadt machen möchte, in der es mehrere Krankenhäuser gibt, sollte man vorher einmal bei der jeweiligen Pflegedirektion nachfragen gehen, wie die Rahmenbedingungen sind. Also: Muss man nur im Tagdienst (meist 8 bis 16/16:30 Uhr) oder auch Früh- oder Spätschicht arbeiten? Bekommt man ein Mittagessen bezahlt (dies ist leider in den meisten Fällen nicht so)? Muss man Arbeitskleidung selbst besorgen, oder bekommt man diese gestellt? Kann man Wünsche äußern, auf welcher Station man eingeteilt wird?
  2. Die meisten Krankenhäuser setzen voraus, dass man vor dem ersten Arbeitstag ein Gesundheitszeugnis vom Hausarzt vorlegt. U.a. sollte man auf jeden Fall gegen Hepatitis B geimpft sein. 
  3. Wenn man die Möglichkeit hat, sich die jeweilige Station auszusuchen zu können, sollte man versuchen, die drei Monate in mindestens zwei verschiedenen Bereichen (also nicht nur auf einer internistischen oder einer chirurgischen Station) abzuleisten. Sowohl das Patientenklientel als auch die pflegerischen Tätigkeiten und das, was man dadurch fürs Studium mitnehmen kann, sind sehr unterschiedlich.
  4. Natürlich heißt es „Pflege“-Praktikum, und es geht somit v.a. darum, dass man einen Einblick in die Pflege und Grundkenntnisse in der Patientenversorgung bekommt. Jedoch sollte man versuchen, bei den Krankenpflegern nachzufragen, ob man auch mal zur Visite oder zu Untersuchungen mitgehen kann.
  5. Glück hat man, wenn es auf der Station einen Famulanten oder PJler gibt. Meistens erklären die sehr gerne etwas, wenn man Fragen hat, oder nehmen einen auch mal zu interessanten Dingen mit oder zeigen einem, wie man Blut abnimmt.
  6. Es wird während des Pflegepraktikums sehr viele Momente geben, in denen man sich über die Aufgaben, die man machen muss, oder über einzelne Personen, sehr ärgern wird. Da hilft leider meistens nur, die Zeit mit der geballten Faust in der Tasche durchzuhalten bis man das Zeugnis ausgestellt bekommen hat.
  7. Wenn man das Pflegepraktikum im Ausland absolviert, hat man zwar mehr organisatorischen Aufwand und muss sich ein erweitertes Zeugnis austellen lassen (Siehe vorherigen Bericht), hat aber oft die Möglichkeit, häufiger auch mit den Ärzten mit zu gehen.

Rückblickend betrachtet muss ich sagen, dass das Pflegepraktikum auf jeden Fall eine sehr hilfreiche und wichtige Erfahrung für mich war. Man lernt, die Arbeit der Pflege besser zu verstehen und es schadet auf jeden Fall auch nicht, wenn man weiß, wie man einen Patienten wäscht, Essen anreicht oder Betten macht.

Gerade durch die Gespräche mit den Patienten wird man viel routinierter in der Anamneseerhebung und kann selbstsicherer auftreten.

Umso mehr weiß man dann nach dem Physikum die erste Famulatur zu schätzen!

Eure Anna

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  • Liebe Anna, ich fänd` es tausendmal besser, wenn man als frisch gebackener cand. med. nach dem bestandenen Physikum nicht die anstehende Famulatur mehr zu schätzen weiß, sondern die Arbeit der Pflegenden als insgesamt hochwertiger und vielfältiger als dargestellt einschätzen kann und wertschätzen kann.So mancher PJler in der Klinik ist froh, wenn die erfahrene examinierte Pflegekraft während seines PJ ihn an die Hand nimmt und ihm Dinge erklärt, von denen er noch nie was gehört hat. Das ist die Realität auf Station.