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Famulatur in der Karibik

Im Februar 2014 habe ich eine einmonatige Famulatur in der Notaufnahme des Mount St. John`s Medical Centre auf der Karibikinsel Antigua gemacht und möchte euch gerne davon berichten.

Warum Antigua?
Zu meiner Famulatur auf Antigua bin ich eher zufällig gekommen. Ich wollte gerne eine Famulatur in der Karibik machen. Da ich leider kein Spanisch spreche und mein Französisch auch nicht besonders gut ist, hatte ich also nur englischsprachige Inseln zur Auswahl. Ich habe dann mehrere Krankenhäuser auf verschiedenen Inseln, u.a. auch auf Jamaica, Barbados und den Bahamas angeschrieben. Leider bekam ich von einigen sofort eine Absage, da es dort grundsätzlich für ausländische Studenten nicht möglich ist, eine Famulatur zu machen. Bei anderen hätte ich extrem hohe Gebühren bezahlen müssen. Vom Mount St. John`s Medical Centre in Antigua bekam ich nach relativ kurzer Zeit eine positive Rückmeldung und musste auch nur relativ wenig Gebühren (50,- USD) bezahlen. Nach einigen Formalitäten (Zusenden von Bewerbungsunterlagen, „letter of recommendation“ von der eigenen Uni etc.) hatte ich meinen Famulaturplatz in der Notaufnahme sicher.

Sprache
Auf Antigua ist die Amtssprache Englisch. Allerdings sollte man wissen, dass die Einheimischen einen sehr abgewandelten Dialekt („Antiguan Creole“) sprechen, den man als Außenstehender nur sehr schwer versteht, auch nach einem Monat des „Einhörens“. Trotzdem können die Patienten sich gut auf Ausländer einstellen und die meisten sprechen auch „normales“ Englisch. Trotzdem ist es interessant, dieses karibische Englisch auch live zu hören, zumal es die Sprache ist, die in vielen Reggae- und anderen karibische Musikarten gesungen wird. Auf Antigua war die Musikrichtung „Soca“ sehr beliebt.

Die Insel
Antigua liegt zwischen Guadeloupe, Montserrat und Saint Kitts, hat ungefähr 85.000 Einwohner und bildet zusammen mit der Nachbarinsel Barbuda einen unabhängigen Staat innerhalb des Commonwealth. Dementsprechend kommen die meisten Touristen aus Großbritannien. Deutsche trifft man eher selten. Die nächst größere Insel ist Puerto Rico bzw. die Dominikanische Republik. Die Hauptstadt der Insel ist St. John`s, wo sich auch das Krankenhaus befindet. In St. John`s gibt es viele kleine Geschäfte und einen zentralen Busbahnhof, von dem aus man für sehr wenig Geld so gut wie alle Orte mit dem Bus erreichen kann. Es gibt unzählige schöne Strände auf der Insel, zu einem der für mich schönsten (beim Sandals Hotel in der Nähe) kommt man vom Stadtzentrum aus in einer zehnminütigen Busfahrt. Insgesamt sind die Lebenshaltungskosten auf Antigua relativ hoch. Allerdings kann man Obst und Gemüse auf einem Markt sehr günstig kaufen. Man sollte es vermeiden, sich zu Fuß auf der Insel zu bewegen wenn es dunkel ist, da europäisch aussehende Menschen leider immer wieder überfallen werden.

Unterkunft
Vom Krankenhaus bekam ich eine Liste mit möglichen Unterkünften. Ich habe ungefähr 10 Gehminuten vom Krankenhaus entfernt in einem privaten kleinen Apartment gewohnt in einem Haus, in dem einige Ärzte und Pfleger wohnten.

Das Krankenhaus
Das Mount St. John`s Medical Centre ist ein relativ neu gebautes, sehr schönes Krankenhaus auf einer Anhöhe über der Stadt. Von dort aus hat man eine tolle Aussicht bis zum Hafen, sodass man immer beobachten konnte, welche Kreuzfahrtschiffe (Antigua ist eine sehr beliebte Anlegestelle für Kreuzfahrten) im Hafen sind. Einige der Kreuzfahrttouristen kamen auch als Patienten in die Notaufnahme. Kleidung bekam man im Krankenhaus nicht gestellt, ich hatte aus Deutschland OP-Kleidung dabei. In der Notaufnahme habe ich meistens im Frühdienst, also von 8 bis 16 Uhr gearbeitet, zweimal war ich auch beim Nachtdienst dabei und ein paar Mal beim Spätdienst bis Mitternacht. Es hatten immer zwei Ärzte gleichzeitig Dienst, einer für die „in-patients“ (die stationären) und einer für die „out-patients“ (Ambulanzpatienten). Ich konnte mir meistens aussuchen, mit wem ich mitgegangen bin. Die meisten Ärzte waren sehr nett und haben auch viel erklärt. Da auf Antigua die meisten Hausärzte private Praxen haben und somit für viele Menschen nicht bezahlt werden können, kamen Patienten, die in Deutschland wegen einer Erkältung oder Kopfschmerzen eigentlich zum Hausarzt gehen würden, ins Krankenhaus in die Notaufnahme. Es war schön zu sehen, wie die Ärzte und Patienten auf Antigua einfach mit limitierten Mitteln auskommen müssen. Im Krankenhaus gab es beispielsweise kein Herzkatheterlabor, sodass Patienten mit akutem Koronarsyndrom einfach beobachtet und medikamentös behandelt wurden. Auch andere modernere Methoden standen nicht immer zur Verfügung, und trotzdem konnte eine sehr gute Patientenversorgung im Rahmen der Möglichkeiten sichergestellt werden.

Fazit
Meine Famulatur auf Antigua war wirklich super, und das nicht nur weil die Insel wunderschöne Strände hat und man am Wochenende viel unternehmen kann. Ich habe viel gelernt, vor allem fand ich es toll, zu sehen, wie man auch ohne riesige technische Möglichkeiten auskommen und „gute Medizin“ machen kann.

Eure Anna

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  • Hallo Anna, dein Erfahrungsbericht hat mein Interesse geweckt :) ich würde auch gerne mal eine Bewerbung dort hin schicken wäre lieb wenn du mir auch die Mailadresse des Krankenhauses weiterleiten könntest. Vielen danke 

    • Liebe Cati, wir stellen Dir den Kontakt zu Anna her. Liebe Grüße Dein Generation Elsevier-Team

      • Liebe Cati, wir stellen Dir den Kontakt zu Anna her. Liebe Grüße Dein Generation Elsevier-Team

  • Hallo Anna, auch mein Interesse wurde durch deinen Bericht geweckt. Würdest du mir sagen wie und über welche Mailadresse du den Kontakt zum Krankenhaus hergestellt hast? Vielen Dank und liebe Grüße

    • Liebe Rebecca, wir stellen Dir den Kontakt zu Anna her. Liebe Grüße Dein Generation Elsevier-Team

      • Liebe Rebecca, wir stellen Dir den Kontakt zu Anna her. Liebe Grüße Dein Generation Elsevier-Team

  • Liebe Anna, dein Erfahrungsbericht hat mein Interesse geweckt! Würdest du mir die E-Mail Adresse weiterleiten, bei der du dich damals beworben hast? Danke und viele Grüße

    • Liebe Antonia, wir stellen Dir den Kontakt zu Anna her. Liebe Grüße Dein Generation Elsevier-Team

      • Liebe Antonia, wir stellen Dir den Kontakt zu Anna her. Liebe Grüße Dein Generation Elsevier-Team

  • Hallo Anna, vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Ich würde gerne wissen über welche Email Adresse du zum St. Johns Kontakt aufgenommen hast, hast du diese zufällig noch und könntest sie mir mitteilen ?

    • Hallo Leon, wir stellen Dir den Kontakt zu Anna her und sie wird sich dann bei Dir melden. Liebe Grüße Dein Generation Elsevier-Team

      • Hallo Leon, wir stellen Dir den Kontakt zu Anna her und sie wird sich dann bei Dir melden. Liebe Grüße Dein Generation Elsevier-Team