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Das 2. Staatsexamen

Das zweite Staatsexamen ist die letzte große schriftliche Prüfung während des Studiums. Dementsprechend groß ist auch die Vorbereitungszeit und die Freude, wenn nach drei anstrengenden Tagen alles vorbei ist.

Die schriftliche Prüfung findet zwei Mal pro Jahr an drei aufeinanderfolgenden Tagen zwischen 9 und 14 Uhr statt. Dieser Termin ist für ganz Deutschland gleich und auch die Prüfungsfragen sind im ganzen Land die gleichen. Je nach dem wie groß eure Uni und analog dazu auch die Stadt ist, kann die Anfahrt zum Prüfungsort etwas länger dauern.

Sofern ihr euch beim Prüfungsamt rechtzeitig mit allen erforderlichen Unterlagen angemeldet habt, bekommt ihr ein offizielles Einladungsschreiben, in dem alle wichtigen Informationen stehen, z.B. wann ihr wo sein müsst, wie lange die Prüfung dauert und was ihr mitzubringen habt (Stifte, Ausweis etc.). In meinem Fall war es so, dass der Prüfungsort in einem Vorort von München stattgefunden hat, an dem ich mit U- und S-Bahn eine Stunde gebraucht habe. Ich kann euch nur empfehlen genügend Zeit einzuplanen um rechtzeitig da zu sein, denn ansonsten hat man früh morgens schon unnötig Stress, was einen dann vielleicht auch ein bisschen aus dem Konzept bringen kann. Auf dem Weg dorthin trifft man viele bekannte Gesichter und kann sich so vielleicht noch ein bisschen ablenken (oder gemeinsam verrückt machen 🙂 ). Am Prüfungsort angekommen, stehen schon diverse Vertreter von Unternehmensfirmen, Verlagen etc. da und versorgen euch noch mit Süßigkeiten und Informationsbroschüren.

Wenn ihr nach der Ausweiskontrolle den richtigen Platz gefunden habt und die Prüfungsunterlagen verteilt wurden, geht die Prüfung los. Zuvor wird man noch gefragt, ob man sich seelisch und körperlich in der Lage fühlt die Prüfung mitzuschreiben.

Insgesamt besteht das zweite Staatsexamen aus 320 Fragen. Dementsprechend müssen pro Tag 106 oder 107 Fragen beantwortet werden. Die Fächerverteilung ist nicht vorhersehbar, sodass man hier an jedem Tag auf alles gefasst sein muss und nicht spekulieren kann. Man kann aber annehmen, dass Fächer, die an einem Tag gefragt wurden, am darauffolgenden oder übernächsten Tag nicht mehr drankommen werden. Das Examen besteht aus Einzelfragen und Fallbeispielen. Die Fallbeispiele bestehen meist aus 15 Fragen, die auf einen ca. einseitigen Fallbericht mit eventuell dazugehörigen Bildern aufbauen. Wieviele von den Fallbeispielen drankommen differiert auch immer. Aber man kann annehmen, dass pro Tag zwischen drei und vier Fallbeispiele dabei sind. Die restlichen Fragen sind Einzelfragen, die entweder mit oder ohne Bildbeilage (alle farbig dargestellt) zu beantworten sind. Sollten Fragen mit Laborwerten drankommen, so muss man die nicht alle auswendig wissen, sondern kann in der Bildbeilage auch die Referenzlaborwerte nachschauen.

Während der Prüfung ist es erlaubt so oft wie nötig auf die Toilette zu gehen. Bei uns war es so, dass zwischen Prüfungssaal und Toilette (und auch in der Toilette) mehrere Aufsichtspersonen waren, die genau darauf geachtet haben, dass man nicht miteinander spricht.

Sofern man das Examen nicht vor 14 Uhr beendet hat, konnte man die Prüfungsunterlagen mit nach Hause zu nehmen. Hat man sich nicht nur auf dem Antwortbogen die (hoffentlich) richtige Antwort markiert, konnte man zu Hause z.B. über MediLearn, die einen extra eingerichteten Examensservice bereitstellen, die Antworten eingeben und dann spätestens gegen 19-20 Uhr abends seine eigenen Antworten mit denen des MediLearn Teams, welches aus Ärzten besteht, vergleichen und wusste somit wieviel Prozent man an jedem einzelnen Tag erreicht hat. Ob das was für einen ist oder ob man lieber das Examen zu Ende schreibt und erst am dritten Tag die Antworten eingibt, muss jeder für sich selber wissen. Hat man nach dem ersten oder zweiten Tag ein schlechtes Gefühl und bekommt durch die Eingabe der Antworten die Bestätigung dafür, kann es sein, dass man dadurch den darauffolgenden Tagen noch mehr gestresst und nervös ist. Lief es hingegen gut, kann dies natürlich für die darauffolgenden Tage eine zusätzliche Motivation oder Sicherheit sein. Hat man den Saal vor dem offiziellen Ende verlassen, besteht die Möglichkeit nach 14 Uhr nochmal zurückzukommen und seine Unterlagen dann abzuholen. Nach dem ersten und zweiten Examenstag stellt sich dann natürlich die Frage was man am Nachmittag bzw. Abend tun soll – nochmal was wiederholen, ein paar Fragen kreuzen oder einfach entspannen? Ich glaube das kommt auf den Typ drauf an und jeder sollte sich für die Variante entscheiden mit der er sich am wohlsten fühlt.

Von der Zeiteinteilung während des Examens denkt man sich, dass fünf Stunden für 106 bzw. 107 Fragen mehr als genug sind. Wenn man in der Vorbereitungszeit zu Hause alte Examina kreuzt, merkt man auch, dass man in den seltenen Fällen fünf Stunden für die Anzahl der Fragen braucht. Beim Examen selber ging es mir und vieler meiner Kommilitonen so, dass die Zeit durchaus knapper wurde, als noch in der Vorbereitung. Es war zwar nicht so, dass man schauen musste fertig zu werden, aber man darf nicht unterschätzen, dass es Fragen sind, die man zum ersten Mal liest und die vielleicht am Schluss nochmal durchgegangen werden wollen. Dabei sollte man aber auf keinen Fall „verschlimmbessern“, sondern lediglich die Fragen nochmal kritisch betrachten, bei denen man während des ersten Durchgangs schon unsicher war. Auf jeden Fall sollte man sich von Anfang an fixe Pausen einplanen, in denen man vielleicht auf Toilette geht und somit kurz den Kreislauf anregt oder einfach nur was isst oder trinkt und mal kurz auf andere Gedanken kommt.

Wir alle haben während des Studiums genügend schriftliche Prüfungen abgelegt und dennoch ist das Examen nochmal was besonderes, da wir dadurch unser klinisches Wissen unter Beweis stellen können und wir auch für die lange Vorbereitungszeit mit einer guten Note entlohnt werden wollen. Das Gefühl das Examen hinter sich zu haben und das theoretische Wissen im PJ nun auch in der Praxis anwenden zu können, ist toll. Sollte es aber nicht so gut laufen wie ihr es euch erhofft habt, lasst den Kopf nicht hängen. Manchmal fragt das IMPP leider auch Kolibris, die nichts mit dem Wissen eines Assistenzarztes zu tun haben und somit auch nichts über die Qualität eines Arztes aussagen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute und erfolgreiche Vorbereitungszeit und viel Erfolg beim zweiten Staatsexamen!

Eure Eva