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Über die Suche einer geeigneten Doktorarbeit

Statistisch, klinisch oder experimentell? Studienbegleitend oder eine Auszeit nehmen?

Irgendwann begegnet sie jedem Medizinstudenten: die Frage, ob, wann und wie man seine Doktorarbeit schreiben will. „Ob“ ist meistens schnell geklärt, gehört doch in kaum einem anderen Studienfach der akademische Titel so selbstverständlich dazu – und von Patienten wird man meist sowieso mit „Frau Doktor“ oder „Herr Doktor“ angesprochen, also muss der Dr. sein!

„Wann“, „wie“ und „wo“ ist in der Regel schwerer zu beantworten. Bei mir kam der Zeitpunkt nach dem Physikum, dass ich mir Gedanken machte, wo und wie ich eigentlich promovieren wollte. Doch die immer wieder gehörte Tatsache, dass nahezu die Hälfte aller begonnenen medizinischen Dissertationsvorhaben nicht abgeschlossen wird, ließ mich mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Erstaunen zurück – und dem Vorsatz „Mir wird das nicht so gehen!“.

Letzteres spielte dann bei meiner Entscheidung auch eine Rolle, wobei für mich der Hauptbeweggrund eindeutig das Interesse an medizinischer Forschung war und ich unbedingt einen umfänglichen Eindruck von der Arbeit im Labor erhalten wollte, um herauszufinden, ob ich mir eine forschende Tätigkeit auch später nach meinem Examen vorstellen könnte. Damit war auch klar: eine rein statistische oder nur klinische Doktorarbeit kam für mich nicht in Frage, ich wollte in die Nassforschung und war auch gerne bereit, dafür das Studium zu verlängern. Da bei uns an der Uni der klinische Abschnitt sowieso in Trimestern bzw. Themenblöcken frei wählbarer Reihenfolge organisiert ist, lief ich auch nicht Gefahr, aus „meinem“ Semester herauszufallen; meine Freunde hatten eh alle ihre eigenen Pläne und Themenblockreihenfolgen. Es blieb also noch zu klären „wie“ und „wo“.

An unserer Uni gibt es mehrere Sonderforschungsbereiche der DFG, die alle die Möglichkeit zur Promotion im Rahmen eines integrierten Graduiertenkollegs anbieten. Diese Graduiertenkollegs erschienen mir besonders attraktiv, da sie zwölf Monate lang Forschung in Vollzeit im Labor in einem geregelten Rahmen mit fester Betreuung, zusätzlichen Seminare, Kongressen und einem finanziellen Stipendium boten. Durch das Stipendium wird es ermöglicht – und ist auch gewünscht bzw. gefordert – sich gänzlich auf die Forschung zu konzentrieren und sich nicht noch zusätzlich nachts oder am Wochenende mit Studentenjobs über Wasser zu halten. Eine Betreuungskommission, die am Anfang gebildet wird, soll sicherstellen, dass die Promotion voranschreitet. Dafür findet nach einem halben Jahr ein Treffen statt, bei dem in einer Präsentation und einem schriftlichen Bericht die bisherigen Ergebnisse, mögliche Probleme und weitere Planungen besprochen und thematisiert werden. Am Ende des Jahres steht außerdem ein Berichtskolloquium, bei dem die Forschungsergebnisse abschließend präsentiert werden. Und die angebotenen Seminare wie z.B. Scientific writing, Presentation techniques, Biostatistics und ein wissenschaftliches Methodenseminar erschienen mir durchaus sinnvoll. Die Entscheidung „wie“ war also gefallen, ich wollte mich um eine Aufnahme in das Graduiertenkolleg bewerben. Doch „wo“, bei welcher Arbeitsgruppe genau?

Nachdem ich mich über die Themen der verschiedenen Arbeitsgruppen informiert hatte, kontaktierte ich meinen Favoriten – und war direkt zwei Tage später zu einem Kennenlerngespräch im Labor. Oft hat man das ja nicht, aber hier hatte ich gleich das Gefühl, das es einfach passt und ich mir eine Arbeit hier sehr gut vorstellen könnte. Trotzdem kam ich noch der Aufforderung meines (wie sich herausstellen sollte) zukünftigen Doktorvaters und meiner Betreuerin nach, mir noch andere Arbeitsgruppen anzuschauen, um einen Vergleich zu haben – aber falls ich dann immer noch zu ihnen kommen wollte, würden sie sich sehr freuen. Und so kam es dann auch: Meine Bewerbung um einen Platz im Graduiertenkolleg „Entzündung und Regeneration“ verlief erfolgreich und ich nahm zum Oktober vergangenen Jahres im 7. Semester meine Promotion in meiner favorisierten Arbeitsgruppe „Toleranzentstehung und –unterdrückung in der Leber“ auf.

Was genau mich in dem Jahr im Labor erwartete, darüber wird es noch mal einen weiteren Beitrag geben, nur so viel: Ich würde mich jederzeit wieder für diesen Weg entscheiden, habe meinen Entschluss keine Sekunde bereut und kann es nur wärmstens weiterempfehlen!

Eure Lisa