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Biochemie – das knockout Fach der Vorklinik?

Auch wenn die Vorklinik und somit Biochemie bei mir schon ein paar Semester her ist, kann ich mich dennoch gut an diese intensive Zeit erinnern.

Ich kann mich ebenfalls gut an den allerersten Tag an der Universität erinnern, als der Dekan in einem Hörsaal mit mehr als 800 Studenten sagte, dass wir mal nach rechts und links schauen sollen. Eine dieser beiden Personen, die neben uns sitzen, wird bis zum Physikum nicht mehr an der Uni sein, weil sie vorher aufgegeben haben. Dieser Satz ist mir während Biochemie das eine oder andere Mal durch den Kopf gegangen und ich habe mich gefragt, ob er damit unter anderem auch auf das Fach Biochemie abgezielt hatte.

Schlussendlich ist Biochemie ein Fach wie jedes andere und dennoch gibt es den einen oder anderen Unterschied, den dieses breitgefächerte Fach im Vergleich zu anderen schwieriger macht. Zusätzlich kommen die individuellen Unterschiede eines jeden selbst, verschiedene Lerntypen, Vorwissen, Interessen usw. dazu.

An meiner Uni fand Biochemie im zweiten und dritten Semester statt und hat mehr oder weniger fast die ganze Aufmerksamkeit eingenommen. Natürlich hat man im vornherein schon verschiedene „Horrorgeschichten“ gehört, über die schweren Prüfungen und die (wenigen) Studenten, die vier Mal durchgefallen sind und somit mit dem Medizinstudium aufhören mussten. Ich kann euch aber beruhigen, diese Geschichten und Gerüchte gibt es bei (fast) jedem Fach.

Nichtsdestotrotz ist Biochemie ein sehr intensives, großes und umfangreiches Fach, das sich sowohl in Vorlesungen, Seminare als auch Praktika aufteilt. An meiner Uni gilt es unter uns Studenten als das knockout Fach der Vorklinik. Das merkt man an den Ergebnissen der Klausuren und an der Intensität während des Semesters. Die Professoren und Dozenten garantieren uns aber, dass wir es dadurch beim Physikum einfacher haben, weil wir eine gute Grundausbildung in diesem Fach bekommen.

Es lässt sich drüber streiten wie wichtig dieses Fach für einen Arzt ist, wieviel von dem Gelernten z.B. beim zweiten Staatsexamen noch im Gedächtnis ist und ob man z.B. während der Pharma-Lernzeit im klinischen Abschnitt von Biochemie profitiert. Für mich als bald Berufsanfängerin stellt sich auch die Frage, wie oft ich später im klinischen Alltag verschiedene Erkrankungen von biochemischer Seite her betrachte. Diese Frage wird sich mit der Zeit dann beantworten.

Warum aber fällt Biochemie so vielen Studenten schwer?

Vielleicht, weil es im Vergleich zu anderen Fächer wie Anatomie oder zum Teil auch Physiologie, auf zellulärer Ebene stattfindet, somit nicht so zugänglich ist und die einzelnen Reaktionen und Stoffwechselwege nicht direkt sichtbar sind. Biochemie stellt im Prinzip die grundlegenden chemischen Vorgänge dar und man bekommt einen Einblick in die molekularen Reaktionen, die tagtäglich in unserem Körper stattfinden, die wir aber niemals mit unseren Augen sehen können. Natürlich ist es für uns Mediziner wichtig zu verstehen wie Energie gewonnen wird, wie die Atmungskette funktioniert und wie ein ketoazidotisches Koma entsteht. Denn nur wenn man verstanden hat wie eine Krankheit oder eine Stoffwechselstörung zu Stande kommt, ist man auch in der Lage physiologisch oder auch medikamentös die Ursache zu verhindern.

Am Anfang ist man von der Menge des Lernstoffs überwältigt und man weiß gar nicht so recht wo und mit welchen Hilfsmitteln man anfangen soll zu lernen. Ich glaube, dass die Materialien, die an den verschiedenen Unis für Vorlesungen, Seminare und Praktika verwendet werden einem ungefähr zeigen in welchem Umfang das biochemische Wissen für die internen Prüfungen abgeprüft wird. Somit kann man die einzelnen Kapitel dann in einem Buch der Wahl nachlesen.

Was Biochemie auch speziell macht, sind die vielen, teilweise komplizierten Begriffe, die man sich am Anfang erstmal merken muss. Das macht das Lernen nicht unbedingt einfacher aber auch an diese Wörter gewöhnt man sich schnell. Egal mit welcher Gewichtung das Fach an eurer Uni bei den Semesterklausuren geprüft wird, das IMPP legt großen Wert auf Biochemie und spätestens in der Lernphase fürs Physikum seid ihr dankbar, wenn ihr bereits eine Grundidee des Faches habt.

Mir ging es damals so, dass ich erst eine Zeit lang gebraucht habe in das Fach Biochemie zu finden, da es doch anfangs ziemlich abstrakt ist. Zudem bin ich eher ein Mensch, der die Dinge, die im Menschen passieren, gerne sieht oder anfassen kann (wie z.B. in Anatomie). Man darf nicht zu viel Respekt vor diesem Fach haben, denn bisher haben es noch (fast) alle Studenten geschafft. Man sollte es aber auch nicht unterschätzen, denn das IMPP stellt beim Physikum nicht wenige – und zudem noch manchmal recht spezielle – Fragen zu Biochemie. Zudem ist es eines der drei Fächer, die im mündlichen Physikum auch geprüft werden.

Was mir sehr geholfen hat ist gewisse Themen mit meinen Kommilitonen durchzusprechen. Das ist einerseits schon im Vorab eine gute Übung für das mündliche Physikum, zusätzlich merkt man manchmal erst, wenn man jemand anderem etwas erklären möchte, dass man bei diesem oder jenem Thema noch Wissenslücken hat.

Ich weiß nicht wie es an anderen Unis läuft, aber ich fände es toll, wenn es schon in der Vorklinik sogenannte Tandemvorlesungen gibt, in denen sich ein Biochemiker und ein Kliniker sich ein Bereich oder ein Thema teilen und diesen/dieses sowohl von  biochemischer, als auch von klinischer Seite in einer Vorlesung beleuchten würden. Somit erkennt man den direkten klinischen Bezug zu einem abstrakten Thema, welcher vielleicht das Lernen erleichtern würde.

Eure Eva