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MedPsych/MedSoz – braucht man das wirklich?

Zum Studium bei uns an der TU Dresden gehört in der Vorklinik neben den großen Fächern Anatomie, Biochemie und Physiologie auch die Medizinische Psychologie/Medizinische Soziologie.

Im zweiten und dritten Semester finden dazu Vorlesungen und begleitende Seminare statt. Zusätzlich gibt es bei uns Kurse im eLearning, die obligatorisch meist alle zwei Wochen vom Computer aus erledigt werden müssen. In den Vorlesungen, die im Vorgang an die Seminare stattfinden, werden die Themen eingeführt und im Seminar vertieft. Letztere sind bei uns sehr interaktiv. Mit Rollenspielen und Gruppenarbeiten werden nicht nur die Themen interessanter gestaltet, sondern auch die Teamfähigkeit gestärkt, die unverzichtbar für unseren späteren Berufsalltag ist. Kaum in einem anderen Fach arbeitet man so viel gemeinsam und erarbeitet zusammen Denkansätze und Argumentationen wie in der MedPsych/MedSoz.

Thematisch wird vom Allgemeinen zum Speziellen gearbeitet. Während man im zweiten Semester mit allgemeiner Gesundheitsdefinition und Rahmenbedingungen des ärztlichen Handelns beginnt, spezifiziert sich dies im dritten Semester weiter bis hin zu ethischen Fragen und Berufsmoral. Primäres Ziel ist das Erlernen von Techniken und Vorgehensweisen, die es uns als angehenden Ärzten erleichtert, schwierige Nachrichten an Patienten und Angehörige zu überbringen oder ein Anamnesegespräch didaktisch gut zu führen. Vor Beginn des Studiums haben sich die wenigsten Studenten jemals mit der Psychologie auseinandergesetzt, verständlicherweise. Deswegen ist es wichtig, dass man das „Denken“ dafür lernt und eine andere Sicht auf die Dinge bekommt. Dabei hilft uns das Fach ungemein!

Man wird mit vielen Fallbeispielen konfrontiert, mit denen es gilt, umzugehen. Um es konkreter zu machen: „Ein junger Mann ist an einem schönen sonnigen Tag mit seinem Motorrad unterwegs, um seine Schwester zu besuchen, da sie Geburtstag hat. Auf dem Rückweg nimmt ihm jemand die Vorfahrt und es kommt zu einem fatalen Unfall. Er wird in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht. Nur wenige Stunden später wird der Hirntod festgestellt. Als seine Schwester von dem Unfall erfährt fährt sie sofort zu ihm hin. Auf dem Weg dahin grübelt sie, was passiert sein könnte und sagt sich, dass es schon nichts Schlimmes sein wird. Schließlich war er immer sehr vorsichtig und vor allem im Straßenverkehr sicher unterwegs.
Nun ist es die Aufgabe des Arztes, unsere Aufgabe, der Schwester zu erklären, dass ihr Bruder hirntot ist.* (*Beispiel frei erfunden und ohne Berücksichtigung medizinscher Wahrheit)

Eine der schwersten Aufgaben, vor denen wir jemals stehen werden, wie ich finde. Man fragt sich, wie gehe ich am besten vor, wie „medizinisch“ soll ich es ihr erklären, wie fasst sie die Nachricht auf usw. Viele Angehörige wollen es nicht wahrhaben, dass jemand eigentlich nicht mehr lebt, obwohl er noch atmet oder das Herz noch schlägt. Und das ist der Punkt, an man nicht mehr mit wissenschaftlichen Aussagen und Denken weiterkommt und für mich der beste Beweis ist, wie wichtig die MedPsych/MedSoz ist! Wir lernen Schritt für Schritt in Rollenspielen untereinander zwischen uns Kommilitonen sowie Schauspielpatienten (ein Highlight) und üben solche Gespräche. In Nachhinein reflektieren wir und überlegen nicht nur, was wir noch verbessern könnten, sondern auch, was uns bereits schon sehr gut gelungen ist.

An unserer Uni ist das Fach meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Es erleichtert einem den Weg dahin, mit solchen Situationen richtig umzugehen und die Psychologie auch anzuwenden. Die Lehre ist sehr strukturiert und die Dozenten geben ihr Bestes, um uns alles möglichst verständlich und anwendungsbezogen beizubringen.

Eure Romy

P.S.: Und nebenbei noch ein Beweis dafür, wie wichtig die MedPsych/MedSoz ist – im Physikum ist es mit einem Anteil von 60 Fragen (von 320) fast so breit vertreten wie die großen Fächer Anatomie, Biochemie und Physiologie.