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Das große Warten – mündliches Physikum

Was mir am meisten von meinem mündlichen Physikum im Gedächtnis geblieben ist, war das schier endlos lange Warten auf die Terminmitteilung. In Düsseldorf bekommt jeder Prüfling ca. 14 Tage vor seiner Prüfung einen Brief über den genauen Termin und die Prüfer, das heißt die ersten Kommilitonen hatten schon vor dem schriftlichen Physikum bereits ihre Einladung für die mündliche Prüfung. Für mich war von Anfang an klar, dass ich gerne relativ zeitnah die mündliche Prüfung hätte, um dem ewigen Lernen ein (vorläufiges) Ende zu setzen. Doch meistens läuft es eben nicht so, wie man geplant hat. Während immer mehr Kommilitonen ihre Einladungen kriegten oder schon glücklich verkündeten, dass sie bestanden haben, wollte mein Brief einfach nicht ankommen. Jeden Morgen wartete ich auf den Briefträger und war enttäuscht, wenn er mal wieder nicht den richtigen Brief dabei hatte.

Da ich die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen wollte, wiederholte ich jeden Tag ein Thema in Anatomie, Biochemie und Physiologie. Außerdem nutzte ich die Zeit, um bisher vernachlässigte Themen, wie bei mir zum Beispiel Hormonverlaufskurven, nachzuarbeiten und verschiedene Diagramme, die gerne in der mündlichen Prüfung abgefragt werden, vorzubereiten. Ein großer Vorteil war, dass nun die ganzen kleinen Fächer, wie Chemie und Biologie, abgehakt waren, sodass man sich auf die großen Fächer voll und ganz konzentrieren kann.

Zwischen meiner schriftlichen und meiner mündlichen Prüfung lagen letztendlich 28 Tage, sodass ich am vorletzten Prüfungstag an meiner Universität an der Reihe war. Ich hatte das Glück, dass ich meine beiden Mitprüflinge zufällig kannte, was mir von Anfang an ein gewisses Gefühl der Sicherheit vermittelt hat. Nachdem ich meine Mitprüflinge gefunden hatten, schrieben wir gesammelt eine Email an unsere Prüfer, um nach einem Vorgespräch zu fragen. Bei uns bat die Physiologieprüferin ein persönliches Gespräch an, in dem sie uns ihre Schwerpunkte mitteilte. Die anderen Prüfer fanden ein Gespräch zwar nicht zwingend notwendig, teilten jedoch ebenfalls Schwerpunkte mit. Generell kann ich es jedem empfehlen vorher höflich anzufragen, da ich denke, dass es einen motivierten Eindruck hinterlässt.

Zusammen mit meinen Mitprüflingen traf ich mich eine Woche vor der mündlichen Prüfung, um in der Lernsammlung gemeinsam verschiedene Themen an Modellen durchzusprechen, da diese gerne in der Prüfung genutzt werden. Außerdem fand ich es sehr hilfreich, mich vorher noch einmal ans Mikroskop zu setzen, da die Histologie bereits einige Semester her war.

Die Prüfung an sich verlief im Nachhinein wesentlich entspannter, als ich mir es vorgestellt hatte. Unsere Prüfer waren durchweg sehr nett und bemühten sich sichtlich uns unsere Nervosität und Unsicherheit zu nehmen. Wenn es mal im Redefluss hakt, ist das gar nicht so dramatisch, wie man es in der Situation vermutlich empfindet. Außerdem kann man die Prüfung durchaus beeinflussen, indem man beispielsweise Themen, in denen man sehr sicher ist, etwas weiter ausführt, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass in die Richtung weiter gefragt wird. Außerdem ist es manchmal besser zuzugeben, wenn man von einem Thema gar keine Ahnung hat, als wertvolle Zeit mit Stottern zu verbringen.

Und ein letzter Punkt: die Kleiderwahl. Meiner Meinung nach ist es unangemessen zu einer staatlichen Prüfung in Jogginghosen zu kommen, andererseits kann ein Anzug sehr steif wirken. Hauptsache ihr fühlt euch wohl und strahlt trotzdem eine gewisse Seriosität aus und dass ihr das ganze Ernst nehmt.

Letztendlich ist es wie immer: Im Nachhinein betrachtet war es gar nicht so schlimm!

Eure Myriam